Auf einen Kaffee mit … Olga Sabristova von Die Kaffee aus Düsseldorf

Dieses Interview habe ich mit Olga Sabristova, der Gründern von der Kaffeerösterei Die Kaffee in Düsseldorf geführt. Olga ist 36 Jahre alt, kommt gebürtig aus Kirgisistan und lebt nun seit mittlerweile 16 Jahren in Deutschland.

Vor dem Interview hat sie mir bereits erzählt, wie es zu dem ungewöhnlichen Namen „Die Kaffee“ gekommen ist: Da Deutsch nicht ihre Muttersprache ist, hat sie früher gedacht, dass die Verwendung von „die“ ein Wort betont, wie z.B. in dem Satz „Das ist DIE Frau“. Der Name „Die Kaffee“ ist daher einerseits eine Andeutung auf ihre nichtdeutsche Herkunft aber eben auch eine Betonung, dass es um DEN Kaffee geht.

 

Kaffeerösterei die Kaffee

Olga beim Kaffeezubereiten

Hallo Olga, wie wär’s, wenn Du Dich einfach mal kurz vorstellst und vielleicht auch kurz was dazu sagst, wie Du zum Kaffee rösten gekommen bist, warum Du jetzt gerade hier bist und was Du so vor hast.

Ich bin schon seit 8 Jahren Barista und nach meiner letzten Baristameisterschaft an der ich in Hamburg letzten Sommer teilgenommen habe, bin ich auf den Geschmack gekommen, dass man einfach Kaffee nicht nur kreativ selbst kreiert, sondern ich dachte , ich möchte auch selbst rösten. Ich bin nicht abhängig vom Röster und ich kann so selber meinen Geschmack rauskitzeln aus dem Kaffee.

Und dann habe ich ein Praktikum in einer Rösterei gemacht.  Das hat mir Spaß gemacht. Dann bin ich nach Luxemburg gefahren und dort habe ich meine ganze Lehre gemacht bei einem Röstmeister – Schramer,  Alfons Schramer. Und dann habe ich alles gelernt, die ganze Rösterei.

Ich wollte immer in Düsseldorf eine Rösterei aufmachen, meine eigene Kaffeebar und dann kam da noch die Rösterei mit dazu, damit ich meine Getränke nicht nur kreieren kann, selbst rösten kann, macht eigentlich ziemlich viel Spaß.

 

Die Kaffeerösterei

Die Rösterei von außenj

Wie lange gibt es Euch bzw. Dich jetzt hier an diesem Standort?

Ich bin heute 2 Monate alt.

 

Genau, ja ich hatte auch im Kopf, dass es recht neu ist. Das ist ja sehr schön. Schauen wir doch mal wie sich das entwickelt. Betreibst Du das jetzt alleine oder hast Du noch einen Partner?

Ich betreibe hier alleine. Ich habe natürlich einen Partner, der sich um den Papierkram kümmert, Steuerberatung und so was. Das macht er schon gerne. Aber ich bin der Handwerker im Laden und der, der die Kunden berät, röstet und zubereitet, eigentlich bin ich hier der Herr im Hause.

 

Dann ist das hier auch das einzige Geschäft was Ihr habt?

Genau.

 

Wer röstet bei Euch? Hast Du eigentlich schon beantwortet.

Ja, ich selbst.

 

Der Kaffeeröster Giesen W6Du selbst, genau, prima. Und ich habe es selber schon gesehen hier, der steht ja wirklich mitten im Raum, der Giesen W6 Röster. Das  ist erstmal so ein Blickfang für die Kunden.. Wie oft täglich, bist Du dann wirklich aktiv an der Maschine?

So zwei, drei Mal die Woche röste ich. Meistens immer Vormittags, da ist es etwas ruhiger, so dass der Kunde, wenn er reinkommt, er kann den Kaffeeduft noch erleben, riechen, weil Kaffee, wenn das geröstet wird, leider riecht das kaum. Aber man kann zum Beispiel Handwerk erleben, live sehen, wie die Kaffeebohne vom grünen Zustand in braun übergeht. Weil viele denken noch nach wie vor, dass Kaffee einfach braun auf dem Baum wächst.

 

Ja, ich finde das gehört auch einfach dazu, zu einer Kaffeerösterei. Das heißt, Du machst vormittags und dann eher nach Ladenschluss, weil es ist ja schon auch eine Lautstärke, die so eine Röstmaschine entwickelt oder?

Nee, das passiert wirklich tagsüber. Weil abends wollte ich die Nachbarn nicht belästigen, weil der Kaffeegeruch im Laden riecht wenig aber draußen mehr.

 

Gibt es denn bestimmte Schwerpunkte bezüglich der Länder oder vielleicht sogar Farmen aus denen Du Deinen Kaffee beziehst?

Ja, ich kaufe sehr gerne Kaffee aus Indien. Ich habe hier ganz tolle Robusta, 100 % Robusta, zum Beispiel Palthope Estate.  Diese Sorte finde ich extrem schön, weil ich biete auch reine Sorten im Laden, das auch als Espresso aber auch als Kaffee geeignet ist. Ich habe wenig Blends, sondern einfach nur reine Sorten. Ich möchte dem Gast einfach anbieten, dass er reine Sorten erstmal probieren kann, bevor wir das als Mischung machen. Und nach Kundenwunsch machen wir eine Mischung. Aber dieser Robusta ist besonders schön. Jeden Tag entwickeln die sich immer weiter, immer weiter. Man kann eine Sorte dann tagelang trinken und es schmeckt immer intensiver immer schokoladiger. Eigentlich eine hervorragende Sorte. Das mag ich wirklich und es läuft hier sehr sehr gut. Das andere, das ich auch gerne mag, zum Beispiel aus Brasilien Kaffee Brazil Dutra das ist auch eine Plantage. Den Bauer kenne ich persönlich noch nicht, habe aber schon viel davon gehört. Und mit diesem Kaffee habe ich sehr gute Erfahrung gemacht. Das sind auch kleine Parzellen, von denen ich kaufe. Nicht nur riesige Plantagen, sondern kleine Lots, wo ich einfach meinen Kaffee dann speziell beziehe, weil ich auch diesen Geschmack speziell finde auf dem Markt.

 

Den Kaffee, beziehst Du den dann direkt von den Farmen oder von einem Importeur?

Fast. Dass gehört einem Mann, also gehört nicht, aber der betreut, überwacht diese Plantagen persönlich. Er fliegt immer hin und schaut einfach wie die Leute da arbeiten, welche Umstände, wie die bezahlt werden, dass auch ein fairer Handel stattfindet usw. Und deswegen, ich vertraue denen einfach, wie die die Arbeit erledigen und ich denke, dass es einfacher ist, wenn es nur durch einen Verkäufer läuft.  Das es ist nicht so über mehrere läuft, sondern einer fliegt hin und ich bezahle ihn und er überweist sein Geld weiter an die Plantagen.

Die Kaffeebohnen

Hast Du auch einen Onlineshop wo Du Deinen Kaffee verkaufst?

Ja, genau, Onlineshop wird angeboten, läuft auch gut. Jetzt haben viele in der letzten Zeit eingekauft, erstmal müssen sie probieren und dann geht’s weiter.

 

Okay. Vielleicht gibt’s ja noch mal einen kleinen Boost zum Weihnachtsgeschäft hin.

Genau, da gibt’s ein paar Überraschungen noch dazu.

 

Und was ist zurzeit Dein Lieblingskaffee? Ist das der den wir jetzt trinken?

Genau, das, was wir gerade trinken. Das ist aus Brasilien, Veloso. Den finde ich sehr schön, weil er dieses Fruchtaroma hat, wie schwarze Johannesbeere, finde ich. Viele finden das nicht raus aber ich mag das, ich rieche das extrem schön. Ich bin verliebt in die Sorte. Meine erste Naturbereitung geröstet.

 

Naturaufbereitet, Du hast es vorhin schon kurz gesagt, ist …

Mit Fruchtfleisch.

 

Halb trocken.

Genau.

 

Wie trinkst Du den? Wie bereitest Du den zu? Hast Du eine Lieblingszubereitungsart ?

Ja, es werden sich alle wundern, ich mag Siebträger schon aber nicht alle Sorten. Ich favorisiere manche Sorten aus Handfilter, finde ich extrem schön, lecker, aromatisch. Das ist nicht böse Schwiegermutter-Getränk, sondern wirklich einen schönen kräftigen Kaffee kann man aus Handfilterverfahren machen.

 

Ja, ich muss zugeben, ich mag Handfilter auch sehr sehr gern. 

Der schmeckt richtig elegant, wenn das fruchtig, diese Fruchtsäure ist elegant einfach nur, hat aber trotzdem intensives Aroma.

 

Genau. Es ist noch so sehr schön handwerklich auch. Die Zubereitung selber, gehört schon eigentlich dazu zum Kaffee trinken.

Genau.

 

Okay, vielleicht gibt’s noch einfach ein paar Sachen, die Du über Deine Rösterei erzählen willst. Was hast Du so vor? Was macht Dich speziell?

Also meine Kaffeerösterei, es war eigentlich so geplant, dass es so ein Handwerkgeschäft, wo alles geschieht, alles rund um Kaffee. Hier wird Kaffee geröstet, von mir selbst zubereitet. Ich hoffe von meinem Mitarbeiter auch irgendwann. Der Gast kann sich hier nach vielen verschiedenen Zubereitungsarten Kaffee bestellen, ob das Handfilter oder French-Press-Kanne oder Siebträgermaschine. Also alles was man sich vorstellen kann mit dem Kaffee, das wird hier geschehen. Alles am Tisch, alles live zubereitet. Und was unsere Rösterei besonders ein bisschen macht, man darf hier alles, wirklich alles rund um Kaffee und man kann sein eigenes Essen oder Kuchen mitbringen. Ich möchte hier nicht, dass es Kaffeeduft mit Essen vermischt. Einfach nur wenn man reinkommt, nur reiner Kaffeeduft.

 

Das ist sehr schön, ein interessantes Konzept. Ich habe auch gesehen, dass Ihr doch recht viele Sitzplätze auch habt. Wie viele sind das?

Oh, ich habe nicht nachgezählt. Auf jeden Fall, kommt darauf an wie groß man selbst ist.

 

Sagen wir mal so 20 oder so ungefähr?

20, glaube ich, würden schon reinpassen.

 

Sitzplatzbereich in der Kaffeerösterei

Der Sitzplatzbereich in der Kaffeerösterei

Ich packe ja auch noch ein Foto mit rein, da kann man das dann auch sehen. 

Genau. Aber hier gibt es Möglichkeiten, die Leute sitzen sehr gerne am Fenster hier.  Was ich nur  nicht erlaube, auf den Kaffeesäcken zu sitzen, das geht nicht.

 

Achso, da muss Du ab und zu mal jemanden runterscheuchen, wenn es voll ist?

Ja sobald jemand das versucht, sofort „Nein nein nein, aufstehen, das geht nicht.“

 

Dann sind wir eigentlich schon bei der letzten Frage, die ist so ein bisschen in die Richtung, wie siehst Du eigentlich den Kaffeemarkt im Moment bzw. auch die Entwicklung in der Zukunft, also sowohl Kaffeemarkt allgemein als auch natürlich für Euch oder für Dich als Kleinrösterei und eben der Spezialitätenkaffee in Deutschland, was so die Entwicklung angeht?

Ich glaube, ich habe jetzt doch einen richtigen Zeitpunkt gefunden, dass ich meinen eigenen Laden aufgemacht habe. Das gerade mal in so einem guten Zustand, wo noch nicht alles entdeckt wurde aber die Leute sind neugierig und die sind für die Kaffeewelt total offen. Sie probieren sehr gerne. Die Leute schätzen auch Qualität und Handwerk und auch wenn sie sehen, dass es alles hier selbst gemacht wird. Und ich glaube, wir haben eine gute Zukunft. Wir werden es doch schaffen. Natürlich Konkurrenz schläft nicht. Man muss auch mal aufpassen, dass man auch bei seiner Qualität bleibt, wenn man dann etwas größer wird. Die Qualität nicht verlieren, bodenständig bleiben aber trotzdem macht es schon sehr viel Spaß.

 

Deine Kunden, kommen die hauptsächlich hier jetzt irgendwo aus dem Stadtteil oder ganz Düsseldorf oder sogar noch weiter weg, falls Du das überhaupt weißt?

Ich habe hier Kunden aus Köln, Wuppertal. Ich habe hier einen Stammkunden, der kommt zwei Mal im Monat aus Norwegen, wenn er Termine hier hat. Der kommt immer speziell auf diese Robusta zurück, weil er möchte unbedingt diesen Robusta-Espresso trinken und immer nach Norwegen mitnehmen. Und zwar, er fragt immer welcher Rösttag ist das. Das ist der 11. Tag nach dem Rösten, dann kauft er die Bohne, weil dann schmeckt ihm diese Bohne nach dem 11. Tag genau richtig.

 

Tatsache. Hat der das für sich so ausgetestet?

Genau, genau.

 

Dann bedanke ich mich für das Interview  und wünsche ich Dir auf jeden Fall viel Erfolg mit Deinem noch jungen Unternehmen. 

Danke schön.

 

Und hier nochmal das Interview als Audio-Datei:
Auf einen Kaffee mit Olga Sabristova von der Kaffeeroesterei Die Kaffee by kaffeepioniere

Noch keine Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar



Klingler-468x60

Auf dem Laufenden bleiben

Trage hier deine Emailadresse ein um den Newsletter zu erhalten.

E-Mail-Adresse:

Anzeige

Eure Kaffeerösterei ist noch nicht dabei? Dann scheibt mir eine Mail an eintrag@kaffeepioniere.de.