Auf einen Kaffee mit … Annika Taschinski von elbgold

Hallo Annika! Wie wär’s, wenn Du Dich kurz vorstellst und mir erzählst, wie Du zum Kaffee bzw. Kaffeerösten gekommen bist und wie sich Elbgold entwickelt hat, in den letzten Jahren?

Also erstmal muss man ja sagen, dass nicht ich zum Kaffee gekommen bin, sondern Thomas und ich, wir beide. Wir sind auch privat ein Paar und machen das Ganze seit 2004. Die Ur-Idee ist von 95, da ist unser Konzept entstanden. Wir sind leidenschaftliche Kaffeetrinker gewesen, sind viel gereist und haben festgestellt, dass es wahnsinnig viel guten Kaffee überall auf der Welt gibt. Wir wollten das einfach selber ausprobieren. Wir haben angefangen bei uns zu Hause in der Pfanne zu rösten, um festzustellen, ob das funktioniert. Wir haben uns dann einen Probenröster gekauft und immer weiter experimentiert, bis wir dann eben letztendlich – viele viele Jahre später – nach vielen vielen Reisen in der ganzen Welt, 2004 den ersten Laden aufgemacht haben. In Winterhude. In dem wir mitten im Laden einen Röster hatten und auch immer noch haben.

Der Ursprungsladen war also in Winterhude. Wir sitzen ja jetzt hier im Schanzenviertel. Wie viele Mitarbeiter seid Ihr?

Wir sind ein Team von 25 Leuten, ein ganz tolles Team, sowohl in Winterhude als auch hier. Wir haben den Laden hier[im Schanzenviertel ] letztes Jahr gemacht, weil wir schon nach sehr kurzer Zeit gemerkt haben, dass der Laden in Winterhude aus allen Nähten platzt und wir irgendwann auch dazu übergegangen sind, den Großteil der Kaffees direkt zu kaufen. Das heißt, wir brauchten mehr Fläche für den Rohkaffee. Ein Teil des Rohkaffees ist jetzt hier [im Schanzenviertel]. Wir haben noch ein externes Lager im Freihafen. Und der Röster – drüben war es ein 12kg-Röster – lief sieben Tage die Woche rund um die Uhr. Wir waren da einfach am Limit und haben dann diese alte Fabrik gefunden. Wir wollten in einen Hinterhof gehen um rösten zu können, Seminare machen zu können, was über Kaffee zu erzählen und ein bisschen mehr Ruhe in das Thema reinbringen. Da taten sich die Schanzenhöfe auf, so nennt sich das hier, in denen wir jetzt drinnen sind und rösten.

Wer röstet bei Euch, sind das der Thomas und Du oder gibt es noch andere?

 Das ist Thomas, ausschließlich Thomas.

Hier [im Schanzenviertel] habt ihr ja auch einen Röster stehen, d.h. Ihr habt zwei Röster?

Genau, hier ist das ein 45kg-Röster aus den 30er Jahren. Ein alter Röster, den wir haben restaurieren lassen.

Von Probat?

Auf jeden Fall. Schönes dickes Material. Macht guten Kaffee.

Gibt es einen Schwerpunkt bezüglich der Kaffees, also vor allem die Länder aus denen Ihr importiert oder macht Ihr da die ganze Welt?

Unser Schwerpunkt ist Lateinamerika, da kaufen wir unsere Kaffees direkt, was den Grund hat, dass wir dort eben auch selber früher immer sehr viel gereist sind und die Kontakte schon aufgebaut haben. Und jetzt eben stark engagiert im “Cup of Excellence” sind, dem Kaffeewettbewerb. Dort als Juroren vor Ort sind, Kaffees bewerten und darüber ein sehr großes Netzwerk zu den Bauern direkt aufgebaut haben. Dann haben wir auch den Ruanda, den Du jetzt trinkst, über den “Cup of Excellence” ersteigert. Dort waren wir noch nicht selbst vor Ort, fliegen aber dieses Jahr hin. Wir beziehen auch andere Kaffees über Importeure. Aus Asien und Afrika, zum Beispiel Projektkaffee, wild wachsende Kaffees aus Äthiopien. Da haben wir auch gerade einen neuen Kontakt, von dem wir erstmals auch aus Äthiopien direkt Kaffee herholen. Und so geht es eben immer weiter. Aber unser Schwerpunkt ist Lateinamerika, wo wir direkt kaufen.

Welche Packungsgrößen kann man bei Euch kaufen?

Ab 125 Gramm, da geht’s los, so dass man die Kaffees ausprobieren kann. Nach oben gibt es keine Grenze.

 Was für eine Verpackungsart verwendet Ihr?

Der Kaffee wird eingeschweißt in Aromaventiltüten, sodass der Kaffee sich länger hält.

Und Ihr habt mit Sicherheit auch einen Onlineshop, oder?

Wir haben auch einen Onlineshop, genau.

Du hast mir ja gerade zwei sehr leckere Kaffees serviert. Was ist denn zurzeit Dein Lieblingskaffee?

Du trinkst ihn gerade [Ruanda Cup of Excellence]. Deswegen habe ich Dir ja auch geraten den auch noch mal auszuprobieren, weil wir eben nicht nur den Ruanda mit hatten auf der Weltmeisterschaft in Kolumbien jetzt gerade. Das ist einer der besten Kaffees, den wir dort präsentiert haben. Das ist im Moment mein Lieblingskaffee. Wobei … das kann man eigentlich so gar nicht sagen. Es ist stimmungsabhängig, tagesformabhängig.

Ich liebe es, morgens mit einem doppelten Espresso aus der Slayer zu starten, da trinke ich immer den Inverno im Augenblick. Das ist ein neuer Espresso den wir gemacht haben, u. a. mit gelben Kirschen aus Costa Rica. Der hat so ein bisschen was blaubeeriges. Den finde ich unglaublich großartig. Jetzt trinkst Du aber gerade einen Ruanda, also als klassischer gebrühter Kaffee trinke ich den supergerne aus der Aeropresse oder handgefiltert. Aber das ist so und so. Mal haben wir ihn in der Mühle als Espresso. Ich finde den Costa Rica, den Kaffee den wir von dort direkt haben, großartig, der kommt aus dem Naturschutzgebiet. Das ist ein ganz klarer strahlender Kaffee.

Aber Du wirst mir recht geben, Ruanda ist ein Hammer. Und? Schmeckt er nach Whisky oder oder nach Meerrettich oder Wasabi oder so?

Der hat so was Scharfes. Das macht ihn, finde ich, so besonders. Wir verkosten die ganzen Kaffees hier drüben auf der anderen Seite im Produktionsbereich. Wir haben ihn im Team verkostet und jeder hat seine Meinung dazu gesagt. Aber der hat uns einfach alle so fasziniert, dass wir auf den geboten und gesteigert haben und ihn eben dann direkt geholt haben.

Gibt es denn eine Zubereitungsart die Du favorisierst oder ist das auch stimmungs- oder tagesabhängig?

Das ist wirklich großartig, weil wir ja bei uns jeden Kaffee in unterschiedlichen Brüharten aufbrühen. Und ich brühe sehr gerne Kaffees im Moment in der Aeropresse aus, aber mag es auch handgefiltert. Sie haben halt alle ihren Reiz und ihren eigenen Geschmack. Dann haben wir noch eine trifecta da stehen. Also ich würde immer Aeropress oder Handfilter bevorzugen.

Kannst Du mir kurz noch was über die trifecta erzählen. Da habe ich letztens einen kurz getrunken, aber ich kannte sie bis dato noch nicht. 

Also die Firma Bunn hat sich da eine Maschine ausgedacht, mit der man jede Tasse frisch zubereiten kann. Was für so ein Konzept, wie wir das machen, natürlich ganz toll ist, weil man immer noch die Möglichkeit hat dabei zu erklären wie der Kaffee schmeckt und wo er herkommt. Das ist ja die Idee.

Also die Idee bei unserem Konzept, dass wir jeden Kaffee, den wir rösten, zubereiten. Und das ist einfach eine Maschine die genau in dieses Bedürfnis kommt. Also es ist letztendlich eine Mischung aus Bodum-Kanne und Aeropress. Aber automatisch. Und man kann Brühprofile anlegen, Temperaturen anlegen und Turbulenzzeiten, also wann es durchgerührt wird. Das kann man jetzt nicht beschreiben, das muss ich einfach mal vorführen. Das würde ich dann gleich noch mal machen, wenn Du magst.

Ja gerne, dann können wir davon ja ein Video drehen.

 

Gibt’s noch irgendwas, was Du mir über Eure Rösterei erzählen möchtest? Was zeichnet Euch aus, was macht Euch speziell?

Ach, das müsstest Du eigentlich erzählen, so was machen wir irgendwie nicht. Ich kann Dir jetzt nur wirklich Deine Fragen beantworten, so wie Du sie mir gerade gestellt hast. Was jetzt das Besondere ist oder was einem gefällt, das müsste letztendlich jeder Gast oder Kunde selber entscheiden. Wir machen Kaffee.

Wie siehst du Du den Kaffeemarkt in der Zukunft? Also den Kaffeemarkt allgemein aber natürlich auch Spezialitätenkaffees und wie es für Euch als kleine Röstereien aussieht. 

Gut schaut’s aus! Wir machen es ja nun schon ein paar Jahre. Ich beobachte eine sehr spannende Entwicklung. Wir sind ja sehr viel international unterwegs. Aber auch in Deutschland wächst die Szene zusammen, das finde ich super. Man tauscht sich aus. Wir selber sind auch in der SCAE. Das ist ein Verband in dem Thomas Koordinator für Deutschland ist, der sich um Spezialitätenkaffees kümmert und das Thema sich auf die Fahne geschrieben hat. Es wächst zusammen, man trifft sich, baut ein Netzwerk auf und tauscht sich aus. Das ist ganz wichtig, weil es nicht diese Konkurrenz ist, die man untereinander hat. Wir wollen alle guten Kaffee machen und darüber gibt’s viel zu erzählen. Der eine macht es so, der andere macht es anders und es ist ein unheimlich spannendes Thema, was sehr viel Spaß macht und wir da sehr viel Freude dran haben uns deutschlandweit oder auch international mit anderen Röstern zu treffen und auszutauschen. Und es geht voran. Also ich glaube, der Verbraucher will guten Kaffee. Er will fairen oder direkt gehandelten Kaffee. Nachhaltigkeit -  ganz großes Stichwort – da geht die Reise hin. Und das wird sicherlich auch noch in den nächsten Jahren so weiter gehen.

Annika, vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview als Audio-File

Und als Video mit Diashow

Tags: , , , ,

Noch keine Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar



Klingler-468x60

Auf dem Laufenden bleiben

Trage hier deine Emailadresse ein um den Newsletter zu erhalten.

E-Mail-Adresse:

Anzeige

Eure Kaffeerösterei ist noch nicht dabei? Dann scheibt mir eine Mail an eintrag@kaffeepioniere.de.