Auf einen Kaffee mit … Andreas “Pingo” Felsen von Quijote Kaffee aus Hamburg

Dieses Interview habe ich mit Pingo am 02. August 2011 bei Roasters & Baristi geführt

Hallo Andreas, stell dich doch kurz vor uns erzähl uns, wie du zum Kaffee(rösten) gekommen bist?

Moin moin, ich bin Pingo von der Quijote Kafferösterei. Ich bin zum Kaffeerösten gekommen vor ungefähr 16 Jahren. Da haben wir journalistisch Lateinamerika bereist um über Bauernaufstände zu berichten, auf Grund unserer Aktivität in der Gewerkschaft. Und wir sind dort vielen Kaffeebauern begegnet, die sich auf Arten und Weisen organisiert haben, die uns sehr zugesagt haben. Und aufgrund meiner Affinität zu Lebensmitteln und insbesondere zu Getränken war das dann eine sehr schöne Möglichkeit. Wir haben uns damals mit ein paar Freunden zusammengetan aus unserer Gewerkschaft und haben einen Kaffeevertrieb von diesen Kleinbauern-Kooperativen gegründet – “Cafè Libertad” hieß das damals – mit Schwerpunkt Mexiko, Chiapas. Und da haben wir angefangen, Kaffee zu importieren. Ein paar Jahre später habe ich dann angefangen, Kaffee zu rösten.

Seit wann gibt es euch?

Seit 1999 importiere ich Kaffee aber mich bzw. uns als Quijote Kaffeerösterei, gibt es nun seit November 2010.

Wie viele Mitarbeiter seid ihr?

Momentan sind wir zu zweit, ein Dritter wird gerade eingearbeitet. Unser Ziel ist es, dieses Jahr oder zu Beginn nächsten Jahres auf vier Personen zu wachsen. Perspektivisch wollen wir gerne zu fünft sein. Mitarbeiter ist bei uns wahrscheinlich ein ganz gutes Wort, denn wir arbeiten im Kollektiv. Wir haben also keine Angestellten, sondern alle sind gleichberechtigt in dem Unternehmensgefüge.

Wer röstet bei euch. Alle Mitarbeiter oder nur du?

Das werden wir dann sehen, wer alles röstet. Alle wesentlichen Aufgaben werden bei uns von mindestens zwei Personen ausgeführt werden müssen. Momentan röste ich. Allerdings hat Steffi auch schon so viel gelernt, dass sie unsere Standardröstung unserer Kaffees auch alle röstet und rösten kann.

Welchen Röster verwendet ihr?

Wir haben einen 15 kg Probat aus Izmir, aus der Türkei, den wir ein bisschen umgebaut haben. Wir haben bessere Thermometer eingebaut, an besseren Stellen platziert. Wir haben uns bessere Thermostate eingebaut, eine Profilsteuerung und ein Ventil zur Regelung der Gasflamme was er nicht serienmäßig hat, erschreckender Weise. Wir kaufen uns dieses Jahr voraussichtlich noch einen 30 kg Röster. Wir wissen aber noch nicht was für ein Fabrikat.

Gibt es Schwerpunkte bezüglich der Länder, aus denen ihr röstet?

Wir rösten ausschließlich Kaffees, die wir selber importieren. Das führt dazu, dass wir hauptsächlich Kaffees aus Lateinamerika rösten, weil das die Region ist in die wir am meisten gereist sind und in die wir am meisten reisen. Das wird auch unser Schwerpunkt bleiben. Darüber hinaus tauschen wir noch Kaffees. Da haben wir zum Beispiel Kaffees aus Äthiopien, die wir nicht selber importieren, sondern mit anderen Importeuren tauschen gegen unsere Kaffees.

Welche Packungsgrößen kann man bei euch kaufen?

250 g bis für Gastronomie 1 kg.

Kaffee kann man bei euch auch online kaufen?

Es ist eigentlich nur möglich Kaffee online bei uns zu kaufen, wir haben keinen eigenen Laden. Wir mögen gar nicht so gerne über den Handel gehen. Weder über Vertriebe noch über den Handel, weil das Einbeziehen von Rabatten in unsere Preiskalkulation bedeuten würde. Wir halten lieber den Preis für den Endverbraucher niedrig, in dem wir nicht über den Handel gehen und dementsprechend die Normalverkaufspreise bei uns sehr niedrig ansetzen. Wenn wir über den Handel kalkulieren würden, müssten wir unsere Preise um ungefähr 20 % erhöhen. Also bei uns bestellen über den Webshop ist die Lieblingsmethode von uns Kaffee zu verkaufen.

Was ist zurzeit dein Lieblingskaffee und wie trinkst du ihn/bereitest du ihn zu?

Mein Lieblingskaffee momentan ist ein Natural, den wir uns mitgebracht haben als Sample aus Ecuador. Der riecht penetrant nach künstlichem Kirscharoma und den werden wir hoffentlich demnächst auch in fünf Säcken bei uns haben. Zubereitet haben wir den mit dem Hario-Filter.

Was möchtest du mir sonst noch über eure Rösterei erzählen? Was macht euch speziell?

Das ist ganz schön viel. Das ist so komplex, das wo wir besonders sind. Also wir sind in Deutschland sehr speziell, auf Grund mehrerer Faktoren. Das sind alles Faktoren, die es in anderen Ländern zumindest einzeln schon gibt und die teilweise in anderen Ländern auch selbstverständlich sind. Allerdings ist es bei uns (Anm.: in Deutschland) in mancherlei Beziehung die Entwicklung noch ein bisschen langsamer. Uns zeichnet aus, dass wir ausschließlich – wie eben schon gesagt – Kaffees rösten, die wir selber importieren. Diese Kaffees importieren wir auf ähnlichen Grundlagen wie damals der faire Handel, mit der Ausnahme, das unsere Mindestpreise ungefähr doppelt so hoch sind. Und dass wir eine Qualitätskomponente in die Preisbindung mit einbauen. Also ein Anreiz nicht auf Masse zu produzieren, sondern auf Qualität zu produzieren.

Ansonsten ist es ähnlich wie der faire Handel ehemals. Uns zeichnet ansonsten aus, dass wir sehr transparent arbeiten. Wir bemühen uns alles transparent zu machen was möglich ist. Da gibt es auch kein Tabu. Transparenz bezieht sich halt sowohl auf unsere Kaufverträge und Kalkulationen aber auch auf unsere Röstung, Röstparameter und Mischungsverhältnisse von den Blends. Und online sind die meisten Röstparameter einzusehen, also zwei Temperaturkurven zumindest, so dass man als Röster oder als Heimröster sich auch daran orientieren kann, wie wir arbeiten und uns gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge zukommen lassen kann, was wir noch besser machen können an unseren Röstungen.

Welche Entwicklung siehst du für die Zukunft im Kaffeemarkt allgemein und für Kleinröstereien und Spezialitätenkaffees im Speziellen.

Im Allgemeinen hoffe ich auf weiterhin steigende Preise, um es den Leuten, die den Kaffee anbauen, zu ermöglichen, bessere Qualitäten anzubauen und weiterhin ihrem Beruf nachzugehen zu können. Das wir  in Zukunft weiterhin Qualitätsverbesserung sowohl im Anbau sehen als auch eine Steigerung des Know-Hows hier innerhalb der engagierten Kleinröstereien. Was wir in den letzten Jahren ja schon beobachten konnten, ist, dass sich wirklich viele Leute, die hier vertreten sind, zumindest viele Leute jetzt bei Roasters und Baristi,  intensiver mit Kaffee beschäftigen als Röstereien in den letzten 30 Jahren in Deutschland zuvor. Und dass wir bei den engagierten Kaffeeröstereien sicherlich noch weitere Qualitätssteigerungen bemerken werden können.

 

Und hier das Interview nochmal als Audio-File

Auf einen Kaffee mit … Andreas Pingo Felsen by kaffeepioniere

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